Beratungsangebot zur Präventiven Konservierung
Die sorgfältige Bewahrung ihrer Sammlungen ist eine der wichtigsten Aufgaben der Museen. Dabei spielt die Präventive Konservierung eine entscheidende Rolle.
Was heißt das genau?
Präventive Konservierung beschäftigt sich mit möglichen Risiken und Gefahren, die
zu Schäden an Sammlungsobjekten führen können, und bemüht sich, diese schon
im Vorfeld zu vermeiden. Das umfasst alle vorbeugenden Maßnahmen, die darauf
abzielen, Kunst- und Kulturgüter vor Schäden durch Umweltfaktoren, Schädlinge oder
unsachgemäße Handhabung zu schützen. Schon einfache Maßnahmen können dafür sorgen,
dass wertvollen Objekte vor schädigenden Einflüssen geschützt werden und so für
künftige Generationen erhalten bleiben.
Lieber etwas unternehmen, bevor etwas passiert!
Der Verbund Oberösterreichischer Museen freut sich, ab 2025 ein neues Angebot
anbieten zu können. Mitgliedsmuseen haben die Gelegenheit, eine
kostengünstige Beratung zur Präventiven Konservierung und fachgerechten
Sammlungspflege durch erfahrene Restauratorinnen und Restauratoren in
Anspruch zu nehmen.
Sammlungspflege als wichtige Aufgabe
Zu den wichtigsten Aufgaben von Museen gehören die Erhaltung und Bewahrung unseres
kulturellen Erbes. Besonders für kleinere Regionalmuseen mit begrenzten Ressourcen
ist die Präventive Konservierung von großer Bedeutung - und kann (hohe) Folgekosten
sparen. Ziel ist es, Schäden an Objekten von vornherein zu vermeiden, anstatt diese
später aufwendig beheben zu müssen. Und genau hier setzt dieses Beratungsangebot
an!
Luftfeuchtigkeit, Holzwurm, Licht
Bereits während der
Pilotphase zum Test des Beratungsangebotes in vier oberösterreichischen
Regionalmuseen hat sich gezeigt, dass viele Häuser mit ähnlichen konservatorischen
Problemen zu kämpfen haben. Eine zu hohe Luftfeuchtigkeit wird oft begünstigt durch
aufsteigende Mauerfeuchte und betrifft zahlreiche Museen. Diese kann einen Befall
durch Schimmel und Holzwurm begünstigen. Schimmel ist gesundheitsgefährdend und ist
keinesfalls - im wahrsten Sinne des Wortes - unter den Teppich zu kehren. Bloßes
Abwischen reicht hier nicht und sollte tunlichst vermieden werden. Eine Abtötung
der Schimmelsporen durch 70-prozentigen Alkohol ist eine erste Maßnahme, ersetzt
aber keinesfalls eine Verbesserung der klimatischen Verhältnisse. Vorsicht: Nicht
alle Materialien dürfen gleich behandelt werden!
Auch der Holzwurm fühlt sich in zu feuchtem Milieu sehr wohl - selbst nach einer
erfolgten Begasung kommt er gerne wieder. Wenngleich feuchtes Mauerwerk selten
langfristig trockengelegt werden kann, gibt es im Sinne der Präventiven
Konservierung (je nach Fall) Maßnahmen, die helfen, das Raumklima dennoch zu
verbessern und die Museumsobjekte vor größeren Schäden zu bewahren.
Ein oft vernachlässigtes Thema ist die richtige, angepasste Beleuchtung. Um
Lichtschäden an Originalen zu vermeiden, bietet sich als preisgünstige Lösung an,
die gezeigten Fotos oder Dokumente durch qualitativ hochwertige Reproduktionen zu
ersetzen.
Wäre eine Beratung dieser Art auch für mein Museum ratsam? Als kleine Hilfe können Sie die folgenden Fragen beantworten:
- Sind mir Schäden an Museumsobjekten aufgefallen?
- Gibt es verschimmelte Stellen an Wänden, Böden oder Objekten?
- Sind Fensterscheiben auf der Innenseite häufig (oder ständig) beschlagen?
- Wurden verdächtige Insekten (z. B. Käfer, Motten, Silber- oder Papierfischchen) gesichtet?
- Gibt es Fraßmehlhäufchen an Objekten aus Holz?
- Sind ausgebleichte Stellen an Papier (z . B. Fotos) oder textilen Objekten auffällig?
Nehmen Sie mit dem Verbund Oberösterreichischer Museen Kontakt auf, ein Beratungstermin mit einer Restauratorin bzw. einem Restaurator wird vereinbart. Nach dem Beratungstermin erhält das Museum ein von der Restauratorin bzw. dem Restaurator erstelltes Protokoll. Dieses enthält neben einer entsprechenden Dokumentation Empfehlungen für das weitere Vorgehen, wie die folgenden Beispiele zeigen:
- Laufende Messung und Aufzeichnung der klimatischen Verhältnisse in den Ausstellungs- und Depoträumen mittels Thermo-Hygrometer
- Richtiges Lüften
- Schädlingsmonitoring (z. B. Aufstellen von Klebefallen)
- Beleuchtungsstärke (Lux) an die ausgestellten Objekte anpassen - unterschiedliche Materialien vertragen auch unterschiedliche Beleuchtungsdauern bzw. -stärken
- Hinweise zur fachgerechten Lagerung bestimmter Objekte oder Objektgruppen
- Bezugsquellen für erforderliche Materialien, die für die konservatorisch fachgerechte Lagerung der Sammlungsobjekte benötigt werden (z. B. säurefreies Papier und Karton usw.)
- Kontaktdaten von Fachbetrieben für eventuell anfallende Restaurierungen
Bereits mit kleinen Anpassungen im Museumsalltag können wir viel für den Erhalt unserer Sammlungen tun. Gerne unterstützt Sie der Verbund Oberösterreichischer Museen bei allen Fragen zur Präventiven Konservierung oder der Umsetzung konkreter Maßnahmen.
Ansprechpartner
Michael Söllner
+43 732 682816
Kontakt
Für Mitgliedsmuseen gilt: Großzügige Refundierung durch den Verbund Oberösterreichischer Museen in Höhe von 80 % der Kosten für die Beratungsleistung
Rechenbeispiel:
- Zwei Stunden Beratung im Museum, inkl. Fahrtkosten und einer schriftlichen Dokumentation mit Empfehlungen für das jeweilige Museum (einschl. der Nennung von Bezugsquellen für erforderliche Archivmaterialien usw.): ~ € 450,00
- Kostenübernahme durch den Verbund OÖ Museen: ~ € 350,00
- Kostenbeteiligung Museum: ~ € 100,00
Für die Abrechnung der Refundierung erhalten Sie ein eigenes
Formular.
Die Refundierung erfolgt - nach Maßgabe des Budgets - nach Übermittlung des
ausgefüllen Formulars und der Einzahlungsbestätigung für das Honorar der
Restauratorin bzw. des Restaurators.
Achtung: Anteilig erstattet werden nur die Kosten für die Beratung
der Restauratorin bzw. des Restaurators (inkl. Fahrtkosten und Erstellung des
schriftlichen Berichts). Nicht vom Verbund Oberösterreichischer Museen refundiert
werden können Ausgaben für erforderliche Materialien oder anfallende Kosten für
Konservierungs- bzw. Restaurierungsarbeiten!
Die Reihung der Beratungstermine in den Museen erfolgt prinzipiell nach dem Eingang
der Anfragen und unter Vorbehalt der besonderen Dringlichkeit.
Etwa ein halbes Jahr nach dem Beratungstermin wird der Verbund Oberösterreichischer
Museen ein Formblatt zur Berichterstattung an die Museen aussenden, um auf diese
Weise erheben zu können, ob die empfohlenen Maßnahmen umgesetzt werden bzw. mit
deren Umsetzung begonnen wurde und diese auch hilfreich für die Museumspraxis
sind.