17. Okt. 2026 - 21. Feb. 2027
Freier Eintritt

OK Linz - OÖ Landes-Kultur GmbH

OK Platz 1, 4020 Linz

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Elisa Andessner BODY COUNTS. Körperzählungen | OK Linz

Das OK Linz präsentiert vom 17. Oktober 2026 bis zum 21. Februar 2027 mit Body Counts. Körperzählungen die erste umfassende Ausstellung der österreichischen Performance- und Medienkünstlerin Elisa Andessner.

Wie schreibt sich Gesellschaft in den Körper ein? Wer wird sichtbar, wer bleibt unsichtbar - und welche Bilder, Rollen und Machtverhältnisse prägen unsere Vorstellungen von Körpern? Seit den frühen 2000er-Jahren arbeitet Elisa Andessner an den Schnittstellen von Performance, Fotografie, Video und Installation. Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Praxis ist dabei immer wieder der eigene Körper. Sie versteht ihn nicht nur als Medium des künstlerischen Ausdrucks, sondern als einen gesellschaftlichen Aushandlungsraum, in dem sich Fragen von Identität, Geschlechterrollen, Macht und Sichtbarkeit einschreiben.

Die Ausstellung macht sichtbar, wie sich diese Fragestellungen über die Jahre hinweg entwickelt und verdichtet haben. Von frühen Zeichnungen, in denen Elisa Andessner das Verhältnis von Körper, Objekt und Raum untersucht, führt der Weg über performative Arbeiten bis zu fotografischen und filmischen Werken, die sich mit patriarchalen Machtverhältnissen, geschlechtsspezifischer Gewalt, Erinnerung und feministischer Solidarität auseinandersetzen.

Dabei geht es Elisa Andessner nicht ausschließlich um die Kritik bestehender Verhältnisse. Ihre Arbeiten fragen ebenso danach, wie andere Bilder von Selbstbestimmung, Gemeinschaft und gesellschaftlicher Veränderung entstehen können. Der Körper wird zum Ort, an dem Geschichte und Gegenwart, individuelle Erfahrung und gesellschaftliche Strukturen aufeinandertreffen.

Der Körper als Archiv
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Frage, welche Spuren Geschichte in Körpern und Bildern hinterlässt. In Tattooed (2025) überträgt Elisa Andessner historische Darstellungen von Frauenkörpern, die auf Ansichtskarten deutschsprachiger Schützenfeste um 1900 als Zielscheiben inszeniert wurden, als temporäre Tattoos auf ihren eigenen Körper. Die Arbeit verbindet persönliche Körperlichkeit mit historischer Erinnerung und macht sichtbar, wie stereotype Frauenbilder und patriarchale Gewaltstrukturen über Generationen hinweg fortwirken können. Auch die Werkserie Pirate Women* (2019-2024) beschäftigt sich mit der Frage, wer Geschichte schreibt und wessen Geschichten erinnert werden. Historische Frauenfiguren, feministische Ikonen und die Figur der Piratin verbinden sich zu einem vielschichtigen Bild von Widerstand, Freiheit und Selbstermächtigung. In den Arbeiten wird der Körper zum Träger von Erinnerung und Widerstand; das Schreiben und Aussprechen von Namen wird selbst zu einer performativen Geste des Erinnerns.

Performance als soziale Begegnung
Die Wurzeln von Elisa Andessners künstlerischer Praxis liegen in der Performancekunst. Bereits die frühe Arbeit Debil - Decibel (2009), entstanden in Zusammenarbeit mit dem Performancekünstler Boris Nieslony, verbindet Körper, Stimme, Sprache und Macht. Die Begegnung mit dem Publikum und die soziale Dimension performativen Handelns wurden für Elisa Andessner zu wichtigen Grundlagen ihrer späteren Arbeit. Performance versteht sie dabei nicht als abgeschlossene Inszenierung, sondern als offenen Prozess und als Raum des Austauschs. Mit Shaking Hands (2007/2026) untersucht Elisa Andessner das Aushalten als körperlichen und zugleich übertragenen Zustand. Die Künstlerin hält ein Tablett mit leeren Gläsern - eine scheinbar einfache Handlung, die mit zunehmender Dauer zu einer körperlichen Herausforderung wird. Jede noch so kleine Bewegung verändert die fragile Balance. Aus dem Halten entstehen Spannung, Konzentration und ein zunehmend präsenter Sound, der die körperliche Anstrengung unmittelbar erfahrbar macht. Ursprünglich als Performance vor Publikum realisiert, wurde die Arbeit für die Ausstellung als performative Video-Installation neu umgesetzt. Die zeitliche Distanz zwischen der ursprünglichen Arbeit und ihrer heutigen Realisierung eröffnet dabei eine neue Perspektive auf das Aushalten: als körperliche Anstrengung, als Moment der Konzentration und als Zustand zwischen Kontrolle und drohendem Verlust der Balance. Shaking Hands ist eine Eigenproduktion des OK Linz.

Von der individuellen Erfahrung zur Solidarität
In jüngeren Arbeiten erweitert Elisa Andessner ihre Auseinandersetzung mit dem Körper um eine ausdrücklich transnationale Perspektive. Die Werkserien Solidaridad (2022/2023) und ¡No Morimos! (2026) entstanden im Zusammenhang mit ihren von der OÖLKG geförderten Artist-in-Residence-Aufenthalten in Mexiko. Begegnungen mit feministischen Bewegungen, lokalen Gemeinschaften und Formen kollektiven Widerstands fließen in einen Werkkomplex ein, der Solidarität als gelebte politische und körperliche Praxis begreift. Fotografien von feministischen Protesten in Oaxaca de Juárez und Mexico City treffen auf Interviews, in denen persönliche Erfahrungen, Erinnerung, Trauer, Widerstand und Hoffnung zusammenkommen.

Diese Perspektive setzt sich in Solidarity (Neuništiva Sablast / Indestructible Appearance) (2026) fort, einer gemeinsam mit der Anthropologin und Kulturarbeiterin Helena Vodopija entstandenen fotografischen Arbeit. Die beiden Frauen werden zu gleichberechtigten Protagonistinnen einer Inszenierung, in der historische Bildwelten, feministische Theorie und Formen des Protests ineinandergreifen. Begriffe wie Körper, Lust, Erkenntnis und Emanzipation werden auf Haut und Protestschilder übertragen. Der Körper wird damit zum Träger von Erinnerung, Protest und politischer Artikulation.

Zwanzig Jahre künstlerische Praxis
Body Counts. Körperzählungen versammelt Arbeiten aus unterschiedlichen Phasen von Elisa Andessners Schaffen und macht zugleich die Kontinuitäten ihrer künstlerischen Fragestellungen sichtbar. Was in Zeichnungen als Untersuchung von Körper, Raum und Objekt beginnt, entwickelt sich zu einer performativen und fotografischen Praxis, in der der Körper zunehmend als politisches Medium erscheint.
Die Ausstellung zeigt damit nicht nur die Entwicklung einer Künstlerin über zwei Jahrzehnte. Sie führt vor Augen, wie Performance, Fotografie und Video zu einer eigenständigen künstlerischen Sprache werden können, mit der sich gesellschaftliche Normen, historische Bilder und Machtverhältnisse körperlich erfahrbar machen lassen. Der Körper wird bei Elisa Andessner zum Schauplatz von Geschichte und Gegenwart - und zugleich zu einem Ort, an dem Veränderung möglich wird.

Zur Künstlerin:
Elisa Andessner ist freischaffende Künstlerin und arbeitet in den Bereichen Fotografie, Video und Performance. Seit 2006 realisiert sie Projekte im Rahmen von Residencies, Festivals und Ausstellungen im In- und Ausland, zuletzt in Mexiko, Frankreich und Italien. Für ihre künstlerische Arbeit wurde sie mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet; ihre Werke befinden sich in öffentlichen Sammlungen.
Andessner initiiert und organisiert regelmäßig Austausch- und Ausstellungsprojekte mit lokalen und internationalen Künstlerinnen und Kunstinitiativen, unter anderem mit Künstlerinnen aus Teheran (2002) und Mexiko (2024). 2021 engagierte sie sich mit dem Projekt FEMALE*UPGRADE für die Umbenennung der Linzer Glaubackerstraße in Agathe-Doposcheg-Schwabenau-Straße.
Sie ist Lehrbeauftragte an der Kunstuniversität Linz sowie Mitglied der IG Bildende Kunst, der Innviertler Künstlergilde und der Linzer Künstler- und Künstlerinnenvereinigung MAERZ. Seit 2023 initiiert und kuratiert sie dort gemeinsam mit anderen Künstlerinnen die feministische Programmreihe female*upgrade by MAERZ.


Kuratorin:
Sandra Kratochwill

Ausstellungsdauer: 17. Oktober 2026 bis 21. Februar 2027
Ausstellungseröffnung: 16. Oktober 2026, 18:00 Uhr
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, Feiertage 10:00 - 18:00 Uhr

Der Eintritt ist frei!