14. Nov. 2026, 15:00 Uhr

Museum Angerlehner

Ascheter Straße 54, 4600 Thalheim bei Wels

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Ausstellungseröffnung: Bettina Patermo. Im Spannungsfeld der Wirklichkeiten | Museum Angerlehner

Das Museum Angerlehner in Thalheim bei Wels lädt zur Eröffnung der neuen Sonderausstellung Bettina Patermo. Im Spannungsfeld der Wirklichkeiten am Samstag, den 14. November 2026, um 15:00 Uhr, ein. 

Zur Eröffnung sprechen:

  • Heinz J. Angerlehner (Museumsgründer)
  • Günther Oberhollenzer (Kurator)
  • Christiane Haiden (Vorsitzende des OÖ. Landeskulturbeirats)

Die Künstlerin ist anwesend. 

Eintritt: 14,00 EUR | ermäßigt 12,00 EUR (inkl. Möglichkeit zum Besuch der aktuellen Ausstellungen)

Um Anmeldung bis Mittwoch, 11. November 2026, wird gebeten: ONLINE 

Zur Ausstellung

Mit der Ausstellung Im Spannungsfeld der Wirklichkeiten widmet das Museum Angerlehner in Thalheim bei Wels der österreichischen Künstlerin Bettina Patermo eine umfassende Retrospektive. Die Ausstellung gibt vom 14. November 2026 bis zum 21. März 2027 Einblick in die vielschichtige Entwicklung eines malerischen Œuvres, das sich über Jahrzehnte hinweg immer wieder neu erfindet und dabei zwischen Realismus und Expressionismus, Figuration und Abstraktion, Beobachtung und Vorstellung bewegt.

Die künstlerischen Wurzeln Bettina Patermos liegen in der Druckgrafik. Von dort aus entwickelte sie ihre Bildsprache in immer neuen Zyklen und thematischen Auseinandersetzungen weiter. Gesellschaftliche Fragestellungen, das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt und schließlich die individuelle Wahrnehmung rücken dabei zunehmend in den Mittelpunkt. Ein wichtiger Abschnitt ihres Schaffens ist von einer intensiven realistischen Beschäftigung mit dem Menschen und dem Tier geprägt. So beschäftigen sich etwa Selbstporträts mit Schleier und vielfältige Strandszenen mit Fragen der Identität, kulturellen Vielfalt und gesellschaftlichen Rollen. In den Arbeiten der vergangenen Jahre löst sich diese gegenständlich bestimmte Bildwelt zunehmend auf und geht in eine expressive, freie und zugleich präzise Malerei über.

Das Neue entsteht nicht aus einem Bruch mit dem Vergangenen. Frühere Erfahrungen, Motive und kompositorische Erfindungen wirken in den aktuellen Arbeiten fort, werden transformiert und unter veränderten Bedingungen neu gedacht. Aus Figuren können Farbbewegungen werden, aus Landschaften abstrakte Räume, aus Körpern organische Formen. Die Grenzen zwischen Menschlichem, Tierischem, Pflanzlichem und Abstraktem sind durchlässig.

Eine Konstante durch alle Werkphasen ist die außergewöhnliche Farbigkeit. Patermos leuchtende, kraftvolle und bisweilen geradezu explodierende Farben treiben die Bildflächen an ihre Grenzen. Farbe ist bei der Künstlerin nicht bloß Mittel zur Beschreibung, sondern eine eigenständige bildnerische Kraft. Sie erzeugt Spannung, setzt Bewegungen frei, schafft Räume und verändert die Wahrnehmung des Dargestellten. Ihre Bilder besitzen dadurch eine unmittelbare und eindringliche Präsenz.

Im Zentrum von Patermos aktueller Malerei steht der Akt des Sehens selbst. Ihre Bilder geben keine eindeutig festgelegte Wirklichkeit wieder. Sie eröffnen vielmehr Wahrnehmungsräume, in denen sich Bedeutung erst im Prozess der Betrachtung entwickelt. Was zunächst als Figur erscheint, kann sich im nächsten Moment als Farbfläche oder Bewegung erweisen. Vorder- und Hintergrund können ihre Rollen tauschen, Linien zugleich Grenze und Verbindung sein. Der Blick bleibt in Bewegung, die Bildordnung ist nicht starr, sondern von einem lebendigen Wechselspiel der Formen und Kräfte bestimmt. 

Patermos Malerei berührt eine zentrale Frage der modernen und zeitgenössischen Kunst: Wie entsteht Wirklichkeit im Bild - und wie verändert das Bild unsere Wahrnehmung von Wirklichkeit? Die Arbeiten verstehen Malerei nicht als abgeschlossenes Abbild der sichtbaren Welt, sondern als einen offenen Prozess. Das Bild entwickelt sich aus dem Zusammenspiel von Wissen und Intuition, Spontaneität und Kontrolle, Freiheit und Präzision. Jede Entscheidung kann eine neue Frage hervorbringen; jede Form trägt bereits die Möglichkeit ihrer Veränderung in sich.

Gerade in einer Gegenwart, die von einer unüberschaubaren Fülle schnell konsumierter Bilder geprägt ist, besitzt diese Haltung besondere Aktualität. Patermos Malerei fordert Zeit und Aufmerksamkeit. Sie erschließt sich nicht in einem flüchtigen Blick und gibt keine eindeutige Botschaft. Vielmehr lädt sie dazu ein, zu verweilen, Unsicherheit auszuhalten und die eigene Wahrnehmung immer wieder neu auszurichten.

Die Schau Im Spannungsfeld der Wirklichkeiten macht diese Offenheit zum Ausgangspunkt einer retrospektiven Betrachtung. Die Ausstellung zeigt die Entwicklung einer Künstlerin, deren Werk sich nicht auf eine einzige Stilrichtung oder Bildwelt festlegen lässt. Gerade in der Spannung zwischen den unterschiedlichen Polen liegt seine besondere Kraft: zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, Realität und Imagination, Ordnung und Auflösung, Vergangenheit und Gegenwart.

Bettina Patermos Bilder erzählen damit nicht nur von einer sich wandelnden künstlerischen Praxis. Sie führen vor Augen, dass auch Wirklichkeit selbst niemals endgültig festgelegt ist. Sie entsteht, verändert sich und bleibt in Bewegung. Die Retrospektive im Museum Angerlehner lädt dazu ein, diesen Wandel nachzuvollziehen - und dabei den eigenen Blick neu zu entdecken.

Eine besondere Verbindung zur Ausstellung besteht durch die langjährige Auseinandersetzung des
Sammlers Heinz J. Angerlehner mit Patermos Werk: Zahlreiche Arbeiten der Künstlerin befinden sich
in seiner Sammlung, einige davon sind nun auch in der Ausstellung zu sehen.

Zur Künstlerin:
Bettina Patermo (*1967 in Ried im Innkreis, Oberösterreich) hat sizilianische Wurzeln und verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Frankenburg am Hausruck und Vöcklabruck. Sie studierte Malerei und
Grafik an der Kunsthochschule für künstlerische Gestaltung Linz sowie an der Akademie der bildenden Künste Wien in der Meisterklasse von Gunter Damisch und Hubert Schmalix, wo sie 2000 ihr Diplomstudium abschloss. Für ihre künstlerische Arbeit erhielt sie verschiedene Preise und Förderungen, darunter die Talentförderungsprämie des Landes Oberösterreich sowie den 3. Platz in der Sparte Malerei beim internationalen Wettbewerb "Celeste Prize" in New York. Ihre Werke wurden von einer internationalen Jury für die "International Print Triennial" in Krakau, Wien und Oldenburg ausgewählt und waren zuletzt bei der vierten Edition der Biennale Internazionale Donna in Triest zu sehen. Bettina Patermo kann auf zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland zurückblicken. Ihre Arbeiten sind zudem in bedeutenden Sammlungen vertreten. Sie lebt und arbeitet in Wien und Bad Waltersdorf.

Kurator: Günther Oberhollenzer

Ausstellungsdauer: 14. November 2026 bis 21. März 2027, Große Ausstellungshalle
Öffnungszeiten: Samstag 14:00 - 18:00 Uhr, Sonntag 10:00 - 18:00 Uhr
Montag bis Freitag auf Anfrage (nur für Gruppen)