10. Okt. 2026 - 21. März 2027

Museum Angerlehner

Ascheter Straße 54, 4600 Thalheim bei Wels

Kontakt

Tel.: +43 7242 224422-0

Barrierefreier Museumsbesuch

Bauliche Barrierefreiheit

Martin Veigl. Am Rand des Blickes | Museum Angerlehner

Das Museum Angerlehner in Thalheim bei Wels präsentiert mit Am Rand des Blickes erstmals eine museale Ausstellung des österreichischen Künstlers Martin Veigl. In Zusammenarbeit mit dem Kurator Antonio Rosa de Pauli erstreckt sie sich vom 10. Oktober bis zum 21. März 2027 über die Grafikräume im Obergeschoss und bietet Einblick in das umfassende Schaffen des Künstlers.
Dieses zeichnet sich einerseits durch eine beeindruckende Leichtigkeit aus, andererseits schwingen darin zentrale Themen unserer Gegenwart mit - vom Massentourismus über die Folgen technologischer Entwicklungen bis hin zu den Dynamiken kollektiven Verhaltens.

Kaum ein Motiv prägt das Werk des österreichischen Künstlers Martin Veigl so nachhaltig wie der Mensch. Seine Gemälde und Zeichnungen widmen sich Gesten, Körperhaltungen und den scheinbar beiläufigen Szenen des Alltags. Beobachtungen menschlichen Verhaltens bilden dabei den Ausgangspunkt seines Schaffens. Man könnte Martin Veigl deshalb durchaus als Menschenfreund bezeichnen. Vor allem aber ist er ein präziser Beobachter, dessen Arbeiten das Wechselspiel zwischen Realität und Konstruktion sowie zwischen Abstraktion und Figuration ausloten.

Im Zentrum von Veigls Interesse steht dabei vor allem die Geste als Ausdruck menschlichen Handelns. Ausgangspunkt dafür ist seine intensive Auseinandersetzung mit der Gestensprache der Barock- und Renaissancemalerei, deren Ausdruckskraft er in die Gegenwart überführt. Dabei richtet sich sein Blick nicht auf die mit Bedeutung aufgeladenen Gebärden, sondern auf jene unscheinbaren Gesten des Alltags, die sich mit der gesellschaftlichen Entwicklung der letzten Jahre gebildet haben, die meist unbemerkt bleiben und dennoch unmittelbar verständlich sind. Diese Darstellung der Menschen mit ihren Gesten folgt dabei einer präzisen Arbeitsweise. Jedem Werk geht keine Skizze im herkömmlichen Sinne voran, sondern eine Art Collage. Der Künstler fotografiert Menschenansammlungen in Städten und durchforstet das Internet nach geeigneten Motiven. Aus diesen fügt er für jedes neue Werk eine Komposition aus einzelnen Fragmenten zusammen. Gleich einer Collage aus Fragmenten der Realität konstruiert er so im kleineren Maßstab die erste Skizze für das eigentliche Werk. Diese wird in der Zeichnung mit feingliedrigen Strichen unmittelbar auf das Papier übertragen.

In der Malerei erfährt der Entwurf hingegen eine grundlegende Transformation. Er dient nicht mehr allein der präzisen Ausführung, sondern wird zum Ausgangspunkt eines vielschichtigen Bildaufbaus. Den Auftakt bildet ein abstrakter Hintergrund, der auf die grundierte Leinwand aufgetragen wird. Aus diesem, meist weiß oder mit pastellartigen Farben strukturierten Hintergrund, schält Veigl eine abstrakte Oberfläche aus leicht transparenten Duktusspuren und Farbverläufen heraus. Diese ist jedoch nicht bloß Träger der figürlichen Darstellung, sondern wird als gleichberechtigte Ebene des Bildes gesetzt. Es gibt gewissermaßen keinen Vorder- und Hintergrund. Die figurativen Elemente erscheinen dabei fragmentarisch und bleiben bewusst unvollständig. Diese präzis gesetzten Leerstellen ermöglichen die Eigenständigkeit der abstrakten Fläche, die sich so mit dem Gegenständlichen zu einer sorgfältig ausbalancierten Einheit verbinden kann.

Gerade in dieser Verbindung von Abstraktion und Gegenständlichkeit liegt die besondere Spannung von Veigls Arbeiten. Indem er die menschliche Figur nicht isoliert darstellt, sondern in eine offene, von Überlagerungen und Leerstellen geprägte Bildstruktur einbettet, thematisiert er zugleich die Bedingungen unserer Wahrnehmung. Wirklichkeit lässt sich niemals vollständig erfassen. Jede Wahrnehmung setzt einen fokussierten Blick voraus, wodurch alles, was an ihren Rändern geschieht, unscharf wird, sich überlagert und einer eindeutigen Erfassung entzieht. Genau diesen Zustand macht der Künstler in seinen Arbeiten sichtbar. Sie gleichen Erinnerungsräumen, die nicht real, sondern konstruiert sind und dennoch eine unmittelbare Natürlichkeit besitzen. Indem Martin Veigl den Blick auf das lenkt, was gewöhnlich unbeachtet bleibt, verleiht er dem flüchtigen Moment und der alltäglichen Geste eine besondere Sinnlichkeit - und so wird das, was am Rand unserer Wahrnehmung geschieht, zum eigentlichen Ausdruck unserer Gegenwart.   

Zum Künstler:
Martin Veigl (*1988 in Steyr, Oberösterreich) studierte von 2008 bis 2014 an der Kunstuniversität Linz und von 2012 bis 2016 an der Universität für angewandte Kunst Wien bei Johanna Kandl und Henning Bohl. Von 2011 bis 2012 verbrachte er im Rahmen eines Erasmus-Stipendiums ein Studienjahr an der Willem de Kooning Academy in Rotterdam.
Seine Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland gezeigt, darunter im Schlossmuseum Linz, im Künstlerhaus Wien, im Niederösterreichischen Dokumentationszentrum oder auch im Essl Museum Klosterneuburg. Veigl erhielt unter anderem die OÖ-Talentförderungsprämie für Bildende Kunst (2021), den Anerkennungspreis des Koschatzky Art-Awards (2021) sowie den Klemens Brosch Preis (2025).
Seine Arbeiten befinden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen, darunter den Sammlungen des Landes Oberösterreich, des Landes Niederösterreich oder des Schlossmuseum Linz. Martin Veigl lebt und arbeitet in Haag, Niederösterreich.


Ausstellungsdauer:
 10. Oktober 2026 bis 21. März 2027 | Grafikräume I und II
Ausstellungseröffnung: 10. Oktober 2026, 15:00 Uhr
Öffnungszeiten: Samstag 14:00 - 18:00 Uhr, Sonntag 10:00 - 18:00 Uhr
Montag bis Freitag auf Anfrage (nur für Gruppen)