Grafische Schätze aus der Sammlung Kastner | Schlossmuseum Linz
1975 erhielt das OÖ. Landesmuseum durch die Zuwendung des Juristen Dr. Walther
Kastner einen
bedeutenden Zuwachs an Gemälden, Skulpturen und Grafiken. Von Beginn an war an
diese Schenkung eine Bedingung geknüpft - die Sammlung sollte als geschlossenes
Ensemble bewahrt und regelmäßig präsentiert werden. Weitere Überlassungen folgten
nach dem Tod des Sammlers und seiner Witwe. Heute bewahrt die Grafische Sammlung
des Landes Oberösterreich mehr als 1.000 Zeichnungen und Druckgrafiken aus den
Kastner-Schenkungen. Aufgrund ihrer Lichtempfindlichkeit können viele dieser Werke
nur selten gezeigt werden.
Die Sonderausstellung Grafische Schätze aus der Sammlung Kastner zeigt im Schlossmuseum Linz erstmals alle Grafiken aus diesem Vermächtnis von 1975 in ihrer Gesamtheit. Ihre Präsentation vom 10. Juli bis zum 11. Oktober 2026 eröffnet seltene Einblicke in einen ansonsten verborgenen Teil der Sammlung.
Die Schwerpunkte der Schau liegen vorwiegend beim Wiener Biedermeier und im 19. Jahrhundert. Die Zeichnungen zeigen romantische Landschaften, Porträts und Genreszenen von namhaften Künstlern wie der Familie von Alt, Joseph Kriehuber oder Moritz von Schwind. Diese wechseln sich ab mit großen Namen der Jahrhundertwende und des 20. Jahrhunderts. Dazu gehören Gustav Klimt, Egon Schiele, Oskar Kokoschka und Alfred Kubin.
Die Sammlung Kastner als Gegenstand der Provenienzforschung
Begann Walther Kastners Karriere als Jurist bereits in den Jahren der
Zwischenkriegszeit und des
austrofaschistischen Ständestaates, so nahm er während der Zeit des
Nationalsozialismus hochrangige Positionen u. a. innerhalb der mit der "Arisierung"
von österreichischen Großunternehmen beauftragten Österreichischen Kontrollbank
ein. Daher sind Kastner und die Schenkungen aus seiner Sammlung Gegenstand einer
zeitgemäßen, wissenschaftliche Forschung, die einen differenzierten Blick auf
dessen Biografie und Sammlungstätigkeit ermöglicht.
Die bis 2019 von Birgit Kirchmayr und Gregor Derntl durchgeführte Provenienzforschung konnte keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Tätigkeit Kastners während der NS-Zeit und dem Aufbau seiner Kunstsammlung feststellen. Doch konnten Werke aus dessen Sammlung eruiert werden, die aus dem Eigentum ehemals NS-Verfolgter stammen und auf einen möglichen Entziehungshintergrund hinweisen. Sie gelangten über Ankäufe im Kunsthandel in den 1950er- und 1960er Jahren in die Sammlung. Die Recherchen führten zur Restitution eines Gemäldes an die Erbin nach Oskar Reichel im Jahr 2013. Die Schenkung Kastner ist Gegenstand der fortlaufenden Provenienzforschung.
Ausstellungsdauer: 10. Juli bis 11. Oktober 2026
Ausstellungseröffnung: 9. Juli 2026, 19:00 Uhr
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, Feiertage 10:00 - 18:00
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