Do it yourself! Selbermachen früher und heute | Sumerauerhof St. Florian
Do It Yourself!
Unter dem Motto "Do It Yourself!"
widmet sich der Sumerauerhof St. Florian in der Museumssaison
2026 zwei Ausstellungsschwerpunkten. Im Mittelpunkt stehen einerseits Formen des
Selbermachens in Vergangenheit und Gegenwart, andererseits die Möglichkeiten, wie
Natur im unmittelbaren Lebensumfeld aktiv und verantwortungsvoll gestaltet werden
kann. So wird der Sumerauerhof 2026 zu einem Ort, an dem Geschichte, Gegenwart und
Zukunft in einen produktiven Austausch treten.
Selbermachen früher und heute
Selbermachen ist ein
uraltes Prinzip - und zugleich aktueller denn je. Über Jahrhunderte war es
selbstverständlich, Dinge mit den eigenen Händen herzustellen, zu reparieren,
weiterzugeben oder mehrfach zu verwenden. Kleidung wurde geflickt oder umgenäht,
Werkzeuge instandgesetzt, Haushaltsgegenstände ausgebessert und Materialien so
lange genutzt, bis sie wirklich unbrauchbar waren. Selbermachen war Teil des
Alltags, Ausdruck handwerklicher Fertigkeiten oder oft eine schlichte
Notwendigkeit.
Schon früh wurde das Selbermachen auch ideologisch aufgeladen. Das Selbermachen wurde zum Gegenbild von Luxus, Verschwendung und Abhängigkeit von importierten Waren. Es konnte als gesellschaftliches und politisches Programm verstanden werden, das ländliche Selbstversorgung romantisierte und zugleich normierte. Im 20. Jahrhundert veränderten sich die Bedingungen des Selbermachens. Vieles verlagerte sich in Schule, Haushalt und Freizeit. "Handarbeit" und "Heimwerken" prägten Generationen, meist in klar geschlechtsspezifischer Zuordnung. Gleichzeitig blieb das Improvisieren in Krisen- und Mangelzeiten unverzichtbar. Objekte aus der Zwischenkriegszeit, den Kriegsjahren und der unmittelbaren Nachkriegszeit erzählen davon, wie eng Nachhaltigkeit und Not miteinander verbunden sein konnten. Heute erlebt "Do It yourself" erneut eine Konjunktur: Repair-Cafés, Näh-Cafés, offene Werkstätten und Online-Tutorials machen Selbermachen zum Ausdruck von Kreativität und Gemeinschaft.
Die Sonderausstellung, die vom 26. April bis zum 31. Oktober 2026
besucht werden kann, nähert sich diesem Themenfeld aus unterschiedlichen
Perspektiven. Der Auftakt "Vom Tretkurbelrad zur Bike Kitchen" spannt einen Bogen
von einem hölzernen Fahrrad aus Ebensee (um 1870), das aus Mangel an leistbaren
Alternativen entstand, zu einem zeitgenössischen Freakbike aus einer offenen
DIY-Werkstatt. Unter dem Titel "Selbstgemacht - ein Mythos!?" geht die Ausstellung
einer populären Vorstellung nach: dem sogenannten Bauernmöbel. Auch wenn diese
Stücke meist nicht von Bauern selbst hergestellt wurden, können die Techniken der
Bemalung heute weiterhin ganz einfach erlernt und angewendet werden.
Der Schwerpunkt "Selbermachen im Bild" zeigt eine nach dem Zweiten Weltkrieg erworbene Fotosammlung bäuerlicher Selbstversorgung, deren Aufnahmen vom Verschwinden bedrohte Praktiken dokumentieren. Flachsanbau und -verarbeitung, Spinnen, Brotbacken, Mostherstellung, Besenbinden, Zaunringflechten oder die Ernte verschiedener Feldfrüchte sind zu sehen. Doch wie authentisch sind die oft inszenierten Aufnahmen, und welche Bilder von Heimat und Identität schreiben sie bis heute fort?
Ein zentrales Thema ist das Reparieren: Vom Rastelbinder über geflickte Alltagsgegenstände bis hin zur Reparaturtechnik Kintsugi wird deutlich, dass Instandsetzen eine Haltung gegenüber Dingen ausdrückt. Heutige Repair-Cafés - etwa jenes in St. Florian - führen Reparieren als gemeinschaftliche und nachhaltige Praxis fort. Der Abschnitt "Do it together!" macht schließlich deutlich, dass Selbermachen häufig kollektives Tun ist - und dass dort, wo viele Hände zusammenwirken, mehr entsteht.
Der Ausstellungsschwerpunkt "Do it yourself" wird von einem umfangreichen Kulturvermittlungsangebot begleitet
Kuratorin der Ausstellung: Hannah Konrad
Biologe und Kulturvermittler: Daniel Stieringer
Ausstellungseröffnung und Tag der offenen Tür: Sonntag, 26. April
2026, ab 10:00 Uhr
Ausstellungsdauer: 26. April bis 31. Oktober 2026
Öffnungszeiten: April bis September: Donnerstag bis Sonntag,
Feiertag 10:00 - 18:00 Uhr; Oktober: Donnerstag bis Sonntag, Feiertag 10:00 - 16:00
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